Pina Palau macht aus Alltag Poesie

Fokus

FRIEDA  Magazin – Sie gibt dem Schweizer Indie-Folk ein frisches Gesicht – mit einer zärtlichen Stimme und kräftigen Gitarrenklängen. Die Zürcher Musikerin Pina Palau spricht bei «FRIDA Hört Hin» über Druck in der Musikbranche, ihren Weg zum Debütalbum «Illusion» und warum Songtexte über Alltägliches tiefgründig sind.

«Wenn man lange genug Musik macht, kommt mal eine Zeit, in der man bei Regen spielt. Ich glaube, heute ist der Tag für mich» –  so eröffnete Pina Palau (sie/ihr) am vergangenen Freitag die Openair Bühne eines verregneten, aber heiteren M4music Festivals in Zürich. Passender hätte ihr Set nicht sein können, denn wie das Wetter ging es mal leichter, mal stürmischer daher.

Spätestens beim Anspielen des Indie Radiohits «Jupi» war der Regen vergessen, und das Publikum ging vollkommen im Zauber der Zürcher Singer-Songwriterin auf.

Musik statt Medizin

Über einen unkonventionellen Umweg hat es die 29-jährige Pina Palau in die Musikbranche geschafft. Nach dem Medizinstudium wollte sie sich nicht ganz von der Musik verabschieden und bewarb sich bei der Stadt Zürich für ein Studio – das sie dann auch erhielt. Hier lernte die Künstlerin, welche Arbeitsweise ihr am meisten liegt – ohne Druck und Termine begannen die Lieder wie von selbst aus ihr hinauszufliessen.

Ganz entspannt setzte sie sich jeden Morgen mit Akustikgitarre, Kaffee und Notizblock hin und blieb stetig am musikalischen Tagebuch, aus dem sie ihre Lieder formte. Auch lernte sie in dieser Zeit Koproduzent Mario Hänni und Tontechniker Giuliano Sulzberger kennen, die die Aufnahmen ihrer Songs massgeblich mitprägten.

Die drei experimentieren mit Aufnahmeformen: Die Songs nahmen sie mit offenen Fenstern auf, selbst wenn es draussen regnete. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das Debütalbum «Illusion», das letzten Herbst beim Berner Indielabel Mouthwatering Records erschien.

 

Die musikalischen Einflüsse Pina Palaus kommen aus diversen Ecken. Auf einer Spotify Playliste teilt sie 29 Lieder, die ihr Album «Illusion» inspiriert haben. Besonders auffallend und auch in ihrem Sound hörbar sind die Indierock-Grössen Big Thief und Phoebe Bridgers, sowie die Punklegende Patti Smith.

Für Pina Palau ist Adrienne Lenker, die Frontsängerin der Band Big Thief, «die Wahrheit», eine der besten Musikschaffenden, die sie kennt.

Bei Phoebe Bridgers war es besonders ihr erstes Album, doch sie bewundert auch, dass es Bridgers mit Indierock in die Stadien geschafft hat,  «das kommt in dem Genre nicht oft vor». Patti Smiths einfach gehaltene Prosatexte haben Pina Palau mehr inspiriert als ihre Musik. Dem eigenen Bezug zu Patti Smiths Aufstieg und Leben in New York hat sie mit «Patti’s Words»  ein Lied gewidmet.

 

«Illusion» ist ein Indie-Folk-Werk, das sich seinen Weg bahnt. Die Suche nach Wahrheiten zwischen Vergangenheitsträumen und Zukunftsängsten bilden die Hauptmotive des Albums. Die Tonaufnahmen sind greifbar, körnig und echt. Wie die täuschende Wahrnehmung, die Palau auf dem Titeltrack «Illusion» beschreibt, schwankt das Album zwischen zarten Alltagsaufnahmen in den Songtexten und neblig verruchten Rockeinlagen.

Eine Stimme, die nachhallt

Pina Palau hat mit ihrem Debüt einen musikalischen Grundstein gelegt, und wir können gespannt darauf sein, wie sich ihr Werk weiter entwickelt – vielleicht persönlicher und unverkennbarer wird. Zwischen Gitarrengewitter und Klangwolken ist es besonders ihre Stimme, die nachhallt. Der Sound von Pina Palau hätte nicht besser zum Regen am M4music-Konzert passen können.

Als Nächstes geht es für die Singer-Songwriterin auf Schweiz Tour:
Am 31. März mit Barrio Colette (Lausanne) im Neubad in Luzern, am 1. April im Cinema Sil Plaz in Ilanz, am 14. April im KiFF in Aarau, am 16. April im Albani in Winterthur. Im Sommer wird sie auf den Festivalbühnen am Openair St. GallenLuzern Live und Openair Bivio spielen.

Der Artikel von Shannon Hughes

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