
Wahl Literaturstudium in Genf: Ich liebte Literatur von klein auf und wusste, dass ich Fremdsprachen überall einsetzen könnte. Ausserdem war ich in Sprachen immer gut. Sprache ist das, was Verbindung schafft. Ich interessierte mich grundsätzlich für Vieles (Psychologie, Journalismus, Meeresforschung, Medizin), aber ich konnte mich mit 18 Jahren noch für keinen bestimmten Beruf entscheiden.
Wahl Marketing/Events: Meine Genfer Jahre nach der Uni waren geprägt von den Erfahrungen im World Economic Forum. Es war mein Einstieg in die Welt, wo Spitzenpolitiker und Wirtschaftskapitäne verkehren.
Mein Interesse an weltpolitischen Themen und wirtschaftlichen Zusammenhängen war definitiv geweckt. Die Möglichkeit, häufige Geschäftsreisen u.a. nach Lateinamerika zu unternehmen, fand ich sehr ansprechend.
Wahl Finanzwelt/Private Banking: Der Umzug nach Zürich war bedingt durch den Berufswechsel ins Bankenwesen und die interne Weiterbildung bei der Bank. Mich faszinierte die noble Idee, vermögende Kunden darin zu beraten, wie sie ihr Vermögen strukturieren und mehren können. Die Möglichkeit, Kundschaft in Zentral-/Osteuropa und Zentralasien zu betreuen, eröffnete mir neue Perspektiven.
Wahl Selbständigkeit mit Lilytrust Consulting: Nach 20 Jahren im Banking hatte sich alles von Grund auf verändert. Es war für mich der Moment, mich nochmals neu zu erfinden, meine eigene Firma Lilytrust Consulting zu gründen und von nun an selbstbestimmt meine beruflichen Interessen zu verfolgen. Die Ausbildung zum dipl. systemischen Coach verknüpfte sich mit meinem jahrzehntelangen Interesse für Psychologie und Verhaltensforschung. Der eidg. Fachausweis Ausbilderin legitimiert meine Tätigkeit als Trainerin in Firmen oder Teams. Meine Schwerpunkte sind hochqualifizierte, ambitionierte Frauen (und manchmal Männer), die trotz zahlreicher Kompetenzen und Qualitäten manchmal in einer Situation sind, wo sie Unterstützung brauchen beim Visualisieren oder Umsetzen des nächsten beruflichen Schritts (Mindset, Resilienz, Leadership).
Wahl Lateinamerikanische Handelskammer: Als man auf mich zu kam und mich fragte, ob ich die Geschäftsführung übernehmen möchte, war meine Bedingung meine Selbständigkeit behalten und totale Flexibilität haben in Bezug auf Zeit, Arbeitsort und Aufwand. In den letzten sieben Jahren konnte ich viel bewegen, den Verein aus der Verlustzone in die Profitabilität führen, wertvolle Geschäftskontakte knüpfen, mir neue Kompetenzen aneignen und von meinem gesamten beruflichen Background etwas hineinfliessen lassen.
SWONET: Was fasziniert und begeistert Dich an Deiner Arbeit?
Tatjana Gaspar: Mich begeistert, dass ich heute als Coach und Trainerin sehr viel mehr Gestaltungsfreiheit habe als früher. Niemand ausser mir selbst setzt mir Ziele oder sagt mir, wie, wann, wo oder wie lange ich arbeiten muss. Wenn ich eine neue Idee entwickle, versuche ich sie so effektiv wie möglich umzusetzen – ohne Druck und ohne Schuldgefühle, wenn es nicht gleich auf Anhieb klappt. Die Perspektiven sind schied endlos. KI öffnet neue Türen. Ich lerne jeden Tag dazu und finde es wunderbar!
Als Geschäftsführerin eines Vereins habe ich mir die Schwerpunkte – Wachstum, Profitabilität, Sichtbarkeit, Reichweite – selbst gesetzt und meine Ziele auch erreicht. Führung und Selbstführung sind hier ausschlaggebend, aber auch Disziplin und Durchhaltevermögen. Der Vorstand vertraut mir und verlässt sich auf mich. Erfolg macht Spass!
SWONET: Wie betrachtest Du Karriere, früher und heute?
Tatjana Gaspar: Im klassischen Sinn bedeutet Karriere, wenn man innerhalb desselben Unternehmens oder Sektors in der Hierarchie aufsteigt oder von einer kleineren Firma in eine grössere wechselt. Jemand hat mir einmal gesagt: «Man bezeichnet die eigene Laufbahn nicht als Karriere, nur die der anderen.» Karriere sollte also nur in der Wahrnehmung von Drittpersonen bestehen.
Als ich noch im Private Banking arbeitete, erschien mir Karriere äusserst erstrebenswert. Ich wollte aufsteigen und als jemand mit einer Karriere wahrgenommen werden. Heute finde ich, das Wort Karriere passt nur bedingt in unsere Zeit.
Mit der rasanten technologischen Entwicklung entstehen jeden Tag neue Berufsbilder. Menschen erfinden sich mehrmals im Leben aufs Neue, wagen Quereinstiege, haben mehr als eine Beschäftigung gleichzeitig, nehmen sich längere Auszeiten für Reflexion oder Familie, wechseln in die Selbständigkeit oder werden Unternehmer*innen.
Das Wort Karriere weicht in meiner Welt immer mehr der Wertschätzung für kreative Lebensentwürfe mit Substanz. Das finde ich heute wirklich erstrebenswert!
SWONET: Was ist Dein Rat für Berufseinsteigerinnen oder Gründerinnen?
Tatjana Gaspar: Ich würde ihnen empfehlen, sich vor allem folgende Fragen zu stellen:
SWONET: Wie startest Du in den Tag?
Tatjana Gaspar: In der Regel starte ich ausgeglichen in den Tag. Auch in Zeiten von erhöhtem Stress oder wenig Schlaf bin ich meist gut gelaunt, zuversichtlich und dankbar für mein Leben. Limettensaft und Vitamine machen den Anfang, dann ein doppelter Espresso, dann die neuesten Nachrichten im TV. Danach kann ich loslegen mit allem, was ansteht.
Im Home Office achte ich auf gesunde Ernährung und regelmässigen Sport. Ich baue mir täglich Zeitfenster ein, wo ich mich mit «etwas anderem» befasse, z.B. ein Buch lesen, Ordnung im Kleiderschrank machen, Balkonpflanzen pflegen, am nächsten Blog schreiben oder Weiterbildungsmöglichkeiten durchstöber