4 Fragen an Tanja Klein – Modedesignerin, Inhaberin „kleinbasel“

Tanja

Ich war schon immer fasziniert von der Möglichkeit, mittels schönen Stoffen, Farben, Prints und Schnitten eine Geschichte erzählen und eine Persönlichkeit zu unterstreichen.

Schon meine Grossmama und meine Mama waren ausgebildete Schneiderin. Im Atelier meiner Mama habe ich dann mit ihrer Hilfe angefangen, kleine einfache Modelle aus bestehenden Kleider zu umzunähen und so habe ich damals meine Kleider fast alle selbst gemacht, was einen grossen Einfluss auf meinen weiteren Werdegang hatte.


Mode war damals für uns jungen Menschen noch ein Ausdrucksmittel: egal welche Richtung, ob Rockabilly, Punk oder Chic, in den 80-iger Jahren prägten Musik, Stars und die Mode unser Dasein. Wir konnten damals sein wer wir wollten, wir konnten ausprobieren, uns neu definieren und so unsere sozialen Kontakte aufbauen. Das war damals sehr unbeschwert und leicht.

Noch vor der Matur hatte ich mich als junge Frau entschieden, mich auf das Handwerk zu konzentrieren und Bekleidungsgestaltung zu lernen. Meine Lehre absolvierte ich in einem jungen Team in Basel, meine Lehrmeisterin, kaum älter als ich, hatte auch einen eigenen Laden und somit war der Traum geboren: ein Laden mit den eigenen Kreationen, so sah ich das damals schon vor mir.
Ich fing dann mit 24 Jahren, Haute Couture, also Einzelanfertigungen auf Mass zu gestalten, ich war damals in einer Ladengemeinschaft mit einer Künstlerin und einer Goldschmiedin. Wir konnten super unsere Synergien nutzen, Apéros, Lesungen und Präsentationen veranstalten. Dann, mit 26 Jahren, habe ich meinen ersten eigenen Laden eröffnet. Wir waren zu Dritt, 2 Mitarbeiterinnen nähten, ich machte die Kundenberatungen, entwickelte die Schnitte und machte den Zuschnitt, ich suchte die Stoffe bei unseren Lieferanten zusammen oder reiste nach Como, Rom und Paris für die Stoffe.

 

Mit Mitte 35 fragte ich mich dann, ob ich das noch lange machen wollte: die Ideen meiner Kundinnen mit meiner Gestaltungskraft zu bündeln und somit kostbare aber doch etwas elitäre Einzelanfertigungen zu gestalten, oder zu lernen, wie ich eine ganze Prét à Porte Kollektion entwickeln kann, welche aufgrund der Kleinserien viel erschwinglicher und somit demokratischer ist.

Nach der letzten grossen Modenschau in Basel verkaufte ich mein Geschäft an meine Mitarbeiterin und entschied mich für eine Weiterbildung an der Schweizerischen Textilfachschule in Zürich. Ich wurde im Jahre 2001 mit einer Höheren Fachprüfung für Fashion Design diplomiert.

 

Diese Zeiten vergesse ich nie mehr. Mit soviel Elan, Freude und Begeisterung wir Studentinnen dort unsere Kollektionen gestalteten, Fotoshootings machten, Events organsierten wie Fashion on Tour von Bern über Zürich nach Basel. Ich konnte viele meiner angestammten Kundinnen mit meiner Kollektion begeistern.

Da sich in Basel die Textilbranche durch den Konkurs des Hauses Spengler drastisch veränderte und ich somit keine Anstellung in Basel finden konnte, beschloss ich, alles auf die Karte kleinbasel zu setzen.

Ich war mit kleinbasel  an den ersten Blickfang Messen in Zürich, Stuttgart und Wien dabei, gewann 2006 den Wettbewerb für Schuluniformen, und bezog meinen dritten Laden, diesmal ausschliesslich mit der kleinbasel Kollektion von Kleidern über Taschen bis zu Accessoires. Nun wurde kleinbasel auch in Basel sichtbar und tragbar.

Im 2009 konnte ich dann an prominenter Lage in der schönen Basler Altstadt einen grossen Laden beziehen, in dessen Räumlichkeiten wir nach wie vor zu Hause sind.
Es folgten Läden in Zürich (10 Jahre) und Bern (3 Jahre), welche ich heute beide nicht mehr betreibe.

Parallel dazu waren immer die Projekte für Berufsbekleidung ein spannender Teil meiner Arbeit. Mode ist immer ein Kommunikationsmittel – sowohl im privaten als auch im unternehmerischen Bereich. Somit können wir einige sehr gute Firmen zu unseren Kunden zählen: noch heute tragen alle Tram- und BusfahrerInnen in Basel meine Entwürfe, und dies seit 13 Jahren. Wir zählen etliche Augenkliniken, Gastrobetriebe und Hotels zu unseren Kunden. Wir designen für diese Kunden Berufsbekleidungen für Ihre Mitarbeiter und lassen diese auch anfertigen, liefern die Kollektionen und unterstützen als Consulting auch bei der Logistik und der Einführung der Kleider bei den Mitarbeitern.

 

In Basel ist mittlerweile das Atelier direkt angrenzend über den Hofgarten mit dem Laden verbunden. Wir hatten schon seit 2012 als eines der ersten kleinen Schweizer Labels einen Onlineshop, den wir im 2023 komplett neu aufsetzten. Seit 2016 kreieren wir auch eine Männerkollektion mit dem ähnlichen Konzept wie die Frauenkollektion: hochwertige Slow Fashion, fair angefertigt in kleinen Manufakturen in der Schweiz (Ledertaschen) und in Europa (Kleider).

Wir bieten zwischenzeitlich auch Workshops und Atelierführungen für Unternehmen und private Gruppen sowie Personal Styling auf Termin an.
Zudem bieten wir den Lifetime Repair Service für unsere Ledertaschen und unsere Kleiderkollektionen. Wir helfen also aktiv mit, den Kreislauf von Textilien und Ledertaschen zu verlängern.
Diese Dienstleistungen zeigen auf, dass Mode heutzutage nicht nur über ein Kleidungsstück, sondern über Werte und Service vermittelt wird.

Im Laden ist nach wie vor die professionelle Beratung ein grosser Wert, den viele Kundinnen so nicht mehr gewohnt sind, das fällt uns heute immer wieder auf. Aber wir wissen: gute Beratung ist kostbar und hilft beim Styling und dein den Entscheidungen.

Im 2025 habe ich zwei Awards erhalten, welche unsere Werte in der Modebranche honorieren und aufzeigen, was uns wichtig ist. Diese Sichtbarkeit hat uns weiteren Schub gegeben, das Echo der Kundinnen und Kunden ist enorm. Der Design Award 2025 von USM über das Female Innovation Forum von Ladies Drive und der Publikums Preis des Klima Award Basel Stadt 2025 sind grosse Anerkennungen für mich und mein Team.

Wir sind heute mit einem Team von 6 Mitarbeiterinnen gut unterwegs und freuen uns, in der gesamten Deutschschweiz viele wertschätzende und begeisterte Kundinnen und Kunden für kleinbasel und unsere Projekte im Bereich Berufsbekleidung sowie unsere Services zu haben.

Tanja Klein

kleinbasel


SWONET: Was fasziniert und begeistert Dich an Deiner Arbeit?

Tanja Klein: Mich fasziniert die Möglichkeit, jede Saison neu wieder mittels Farben und Stoffen neue Modelle zu kreieren, welche zwar modern, aber nicht modisch sind, qualitativ hochwertig, aber nicht überzahlt werden müssen. Zudem wollte ich von Anfang an nachhaltige Mode gestalten, welche die Kundin und Kunden viele Jahre begleitet, und die Werte sozial fairer Anfertigung und damit verbunden fairer Löhne waren immer mein Credo.

 

SWONET: Wie betrachtest Du Karriere, früher und heute?

Tanja Klein: Karriere war für mich damals kein Thema. Ich wollte etwas gestalten, den Menschen zeigen das Mode und Bekleidung nicht Massenware sein müssen, sondern Slow Fashion eine Haltung ist, welche sich lohnt zu beherzen. Wer mit guten Emotionen dank schöner Kollektionen und stilsicherer und fairer Beratung einkauft, verbindet diese positiven Erinnerungen immer mit diesem Kleid.
Die Karriere kam mit dem Erfolg, der Erfolg kam aufgrund einer grossen Vision, viel Arbeitseinsatz und grossem Durchhaltevermögen.

 

SWONET: Was ist Dein Rat für Berufseinsteigerinnen oder Gründerinnen?
Tanja Klein: Ich denke, die wichtigsten Empfehlungen für Gründerinnen und Berufseinsteigerinnen ist: folge unbeirrt deiner Vision, deinen Träumen. Lass dich nicht beirren, mit grossem Einsatz und viel Elan und Durchhaltewillen kommst du deinem Ziel immer näher.

SWONET: Wie startest Du in den Tag?

Tanja Klein: Ich kann gut abschalten und ich schlafe auch gut, das ist mein Glück. Im Sommer nehme ich meinen ersten Kaffee in aller Ruhe auf meinem Balkon, dieser ist als Kräutergarten konzipiert und macht mir viel Freude. Danach widme ich mich mir selbst, bevor ich dann auf 9 Uhr im Laden mit der Arbeit beginne. Ich habe ebenfalls das grosse Glück, einen wunderbar schönen Arbeitsweg mit dem Fahrrad oder zu Fuss über den Basler Münsterplatz zu haben. Somit kann ich mich am morgen sammeln, bevor wir im Team besprechen, was es heute zu tun gibt und wir den Laden um 11 Uhr bis 18.30 öffnen.

Tanja

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