4 Fragen an Carlotta Graedel Matthäi MA – Kunstexpertin bei der Daten Partner GmbH und Kunstvermittlerin

Carlotta

Kunst spielte von Anfang an eine zentrale Rolle in meinem Leben. Meine Begeisterung dafür wurde mir quasi in die Wiege gelegt, denn ich komme aus einer kunstbegeisterten Familie, in der sich auch Kunstschaffende befinden. An Kunstwerken interessierten mich stets die Geschichten, die sich in ihnen verbergen, sowie der Kontext, in dem sie geschaffen wurden und auf den sie reagieren. So erstaunt es wahrscheinlich nicht, dass ich Anglistik und Kunstgeschichte studierte und in meiner Lizentiatsarbeit die beiden Fachgebiete – Text und Bild – miteinander verband.

In meiner beruflichen Laufbahn habe ich über Kunstschaffende und ihr Werk in Kunstmagazinen und Ausstellungskatalogen geschrieben, Kunst in Führungen vermittelt, Ausstellungen im Museum organisiert und in Galerien kuratiert. Ich habe den Wert von Kunstwerken geschätzt, sie historisch eingeordnet, inventarisiert, versichert und verkauft sowie Kunsttransporte organisiert und mich um die Zollpapiere gekümmert.

Man könnte sagen, ich bin Allrounderin, was den Umgang mit Kunst angeht. Man steht nie still und lernt nie aus. Deshalb habe ich 2025 auch den wunderbaren CAS-Weiterbildungslehrgang „Angewandte Kunstwissenschaft. Material und Technik”, der seit einigen Jahren gemeinsam vom SIK-ISEA und der ZHdK organisiert wird, absolviert.

Ich hatte das Privileg, meinen Arbeitsinhalt als Kunstexpertin bei der Daten Partner GmbH im Austausch mit der Geschäftsleitung selbst zu definieren. So ist ein neues Produkt in das Angebot meines Arbeitgebers aufgenommen worden: dsArt.

dsArt steht für die Kooperation zwischen der auf massgeschneiderte digitale Datenräume spezialisierten Daten Partner GmbH und mir als Kunstexpertin mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit Kunst, deren Inventarisierung, Digitalisierung und Vermittlung.

Diese ungewöhnliche Verschränkung von Kompetenzen basiert auf einem intensiven Austausch mit Kunstschaffenden, Sammler*innen und deren Erbberechtigten. Daraus resultiert die Erkenntnis, dass es ein gewaltiges und aufreibendes Unterfangen sein kann, einen Überblick über die im Laufe eines Lebens geschaffenen oder gesammelten Kunstwerke zu erhalten oder sich einen Einblick in eine geerbte Kunstsammlung mitsamt aller dazugehörigen Dokumente zu verschaffen.

Meine Aufgaben sind vielfältig und spannend. Sie ergeben sich aus dem Dialog mit unserer Kundschaft und reichen von der Inventarisierung von Kunstwerken bis hin zur Archivierung und Verwaltung der zahlreichen relevanten und oft sensiblen Dokumente, die mit einer Sammlung oder einem Kunstvor- bzw. -nachlass einhergehen.


SWONET: Was fasziniert und begeistert Dich an Deiner Arbeit?

Carlotta: Für mich ist es ein Privileg, mit Sammler*innen, Kunstschaffenden und ihren Kunstwerken zu arbeiten. Leute sammeln Werke aus Leidenschaft. Bei Künstler*innen stellen die Werke einen integralen Teil ihrer Identität dar. In beiden Fällen sind die Kunstwerke ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Im Dialog mit den Besitzer*innen gilt es daher herauszuarbeiten, wie wir sie am besten dabei unterstützen können, eine Übersicht über die Sammlung und die dazugehörigen Dokumente zu gewinnen, und massgeschneiderte Lösungen zu finden.

 

SWONET: Wie betrachtest Du Karriere, früher und heute?

Carlotta: Für mich bedeutet Karriere die persönliche berufliche Laufbahn und nicht das Erklimmen einer Karriereleiter. «Mache das im Leben, was dich glücklich macht.»: Das war der Rat, den mir meine Eltern mit auf den Weg gegeben haben. Das galt damals und gilt auch heute noch. Die Arbeit im Kultursektor ist kein Zuckerschlecken, doch die Begeisterung für die Kunst beflügelt mich und gibt mir Kraft, auch dann, wenn ich manchmal in den frühen Morgenstunden noch arbeite. Meine Karriere verlief nicht auf einer Zielgeraden: Ich habe familienbedingt in verschiedenen Ländern gelebt und musste mich in der jeweiligen neuen Umgebung sowie in der dortigen Kunstszene zurechtfinden oder meinen Platz selbst definieren. Wie erwähnt, hat mich das zu einer flexiblen Allrounderin mit verschiedenen Spezialisierungen gemacht. Es hat durchaus seine Vorteile, eine Allrounderin im Kunst- und Kulturbetrieb zu sein: Je kleiner der Betrieb, desto umfassender müssen die Kompetenzen der Mitarbeiter*innen sein. Flexibilität ist im Kunstsektor stets gefragt.

 

SWONET: Was ist Dein Rat für Berufseinsteigerinnen oder Gründerinnen?

Carlotta: Idealerweise absolviert man bereits während des Studiums verschiedene Praktika und sammelt Arbeitserfahrung. So baut man früh ein Netzwerk auf und kann sich ein Bild davon machen, in welche berufliche Richtung es gehen soll. Auf diese Weise lernt man die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Grenzen kennen.

 

 

 

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