
Meine berufliche Laufbahn begann in der Gastronomie. Was mit einem Aushilfsjob startete, wurde zur Passion. In der Gastronomie habe ich gelernt, was es heisst, Erlebnisse zu schaffen, präsent zu sein, zuzuhören, vorauszudenken und Servicequalität als Haltung zu leben. Geprägt hat mich, wie stark Ambiente und Zusammenarbeit die Wirkung nach aussen beeinflussen.
Danach folgten der Bereich Medien & Kommunikation und die Psychologie. Begleitet hat mich immer die Frage, wie Menschen funktionieren, was sie bewegt und wie sie ihren Weg finden. Und wie ich sie auf einem kleinen Teil ihres Weges begleiten kann.
Der Übergang von der Gastronomie in die Psychologie war für mich ein wichtiger Wendepunkt. Weg von einer eher operativen Tätigkeit hin zu Reflexion, mehr Sprache und inneren Beweggründen. Und damit schlussendlich in die Welt des Business Coaching und der Beratung.
Ein weiterer prägender Schritt war der Wechsel vom Coaching und der Beratung in die Führung. Eine Rolle, in der ich heute nicht mehr ausschliesslich Einzelne begleite, sondern Rahmenbedingungen für unsere Organisation gestalte. Oft gemeinsam mit dem Team. Heute leite ich als CEO die Worklink AG. Dort verbinde ich meine Erfahrung aus Dienstleistung, Kommunikation, Psychologie, Beratung & Coaching.
Meine Entscheidungen waren nie rein karrierelogisch, sondern initiiert von Werten und dem starken Bedürfnis nach Entwicklung und Bewegung. Mich begeistern Aufgaben, in denen ich Wirkung für Menschen im beruflichen Kontext sehe.
SWONET: Was fasziniert und begeistert Dich an Deiner Arbeit?
Anna Gilgen: Heute begleiten wir Menschen in beruflichen Übergängen oder in Entwicklungsmomenten. Talente, Führungskräfte, Menschen, die sich neu orientieren wollen oder müssen, und ich trage als CEO die Verantwortung dafür, dass unser Team genau dafür den passenden Rahmen bietet. Mich faszinieren nicht ausschliesslich die „grossen Sprünge“, sondern die kleinen, mutigen Schritte. Wenn jemand wieder Fokus gewinnt, sich Zeit für sich nimmt und in Bewegung kommt.
Was mich besonders begeistert, ist die Verbindung von Coaching und Führung. Ich kann einerseits im direkten Gespräch mit Kund*innen oder mit dem Team an individuellen Lösungen arbeiten und andererseits als Leaderin Strukturen, Angebote und eine Kultur gestalten, in der Entwicklung überhaupt möglich wird. Führen heisst für mich, mich zu widmen, zu unterstützen und zu ermöglichen. Für Kund*innen, für unser Team und für die Menschen, die wir im Auftrag ihrer Unternehmen begleiten.
Und Führung bedeutet für mich ebenfalls, dafür Raum und Sicherheit zu schaffen. Ich glaube daran, dass Menschen motiviert sind Leistung zu erbringen, wenn sie gesehen und wertgeschätzt werden und wissen, welchen Beitrag sie zum grossen Ganzen leisten.
Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass gute Führung, wie wir sie heute fordern, Zeit braucht. Psychologische Sicherheit, eine Fehler- und Feedbackkultur und eine gesunde Leistungskultur, die auch noch Sinn und Freude macht, entstehen nicht über Nacht. Sie wollen aufgebaut, gepflegt und gemeinsam weiterentwickelt werden.
SWONET: Wie betrachtest Du Karriere, früher und heute?
Anna Gilgen: Früher war Karriere für mich stärker an Stationen und Wechsel sichtbar. Von der Gastronomie über Medien und Psychologie hin zu Beratung & Coaching und Führung. Heute betrachte ich Karriere als lebendige, nicht-lineare Entwicklung, die aus Erfahrungen, Neugier, Beziehungen und bewussten Entscheidungen entsteht. Karriere ist für mich weniger eine Leiter als ein Weg mit Abzweigungen, Schleifen und Lernschritten – heute mehr denn je.
SWONET: Was ist Dein Rat für Berufseinsteigerinnen oder Gründerinnen?
Anna Gilgen: Einen Tipp, den ich Berufseinsteiger*innen und -umsteiger*innen gebe, ist: „Sucht den Austausch. Sprecht mit Menschen aus anderen Berufs- und Lebenswelten, verschafft euch möglichst breite Einblicke in andere Welten, Denkweisen und Haltungen. Das schafft Orientierung, gibt Inspiration, stärkt eure eigene Haltung und stärkt euer Netzwerk.“
SWONET: Wie startest Du in den Tag?
Anna Gilgen: Mein Tag beginnt mit einem Kaffee aus der Caffettiera und dem auf allen Ebenen Bereitmachen für den Tag. An einigen Tagen starte ich den Tag mit der Familie. An anderen Tagen mit einem sportlichen Moment, bevor der berufliche Rhythmus einsetzt. Ich reise viel und nutze die Zeit, um zu lesen und mich auf den Tag vorzubereiten. Was steht an, welche Gespräche brauchen besondere Präsenz. So starte ich mit Bewusstsein für mich und die Menschen, die ich begleiten werde.