Fortyseven-Chefin Nina Suma über Gästezahlen, Lärmklagen und Lichtverschmutzung

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AZ-Aargauer Zeitung – Die neue Badener Wellnesstherme boomt: Nach schwierigem Start wird das Bad seit einigen Monaten überrannt – die erhofften 300’000 Gäste pro Jahr werden mittelfristig wohl deutlich übertroffen. Doch es gibt Ärger: Konflikte mit der Nachbarschaft wegen Lärm und nächtlichen Lichts.

Frau Suma, der Start für das «Fortyseven» verlief zäh, die Gästezahlen waren tief, zuletzt wurden sie nicht mehr öffentlich gemacht. Wie steht es um das Bad?

Nina Suma: Es stimmt, wir haben einige Monate darauf verzichtet, Zahlen zu nennen, weil 2022 kein repräsentatives Jahr war. Wir eröffneten mitten in der Corona-Hochsaison, dann kamen auch noch 2G+-Regeln dazu. Das hat uns den Stecker gezogen. Es brachte nichts, Zahlen in den Raum zu stellen, die man nicht vergleichen konnte. Wir haben aber immer an den Erfolg geglaubt und die mittelfristigen Ziele nie nach unten korrigiert.

Und jetzt?

Wir befinden uns seit einigen Monaten auf Zielkurs. Das heisst, die angestrebte Gästezahl von 300’000 pro Jahr ist realistisch. Schon im letzten Quartal 2022 waren wir auf Kurs, das erste Quartal 2023 haben wir gar 20 Prozent über dem Zielwert abgeschlossen. Auch der April läuft sehr gut. Mittelfristig gehen wir von 350’000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr aus. Das ist aber die Obergrenze, das spüren wir.

Ist die Therme aus Ihrer Sicht also eher zu klein? Bevor das Bad gebaut wurde, gab es in Baden auch Kritik: Die Therme sei zu gross.

Wenn man die Hochsaison betrachtet: Ja, dann ist das Bad an manchen Tagen eher zu klein. Zwischen Weihnachten und Neujahr hatten wir zum Teil bis zu 2000 Gäste pro Tag, da kamen wir an die Kapazitätsgrenze. Es gab teilweise schlicht keine verfügbaren Garderobenschränke mehr. Insgesamt, über das ganze Jahr betrachtet, finde ich: Die Grösse des Bades passt genau.

Es gibt viele Saunas, rund ein Dutzend. Würden Sie aus heutiger Sicht einige davon in Wasserflächen eintauschen wollen?

Wenn ich etwas wünschen dürfte, wäre es mehr Aussenfläche, konkret eine grössere Liegewiese.

Das bedeutet also: Das Fortyseven in Baden lässt sich rentabel betreiben? Das ist keine Selbstverständlichkeit, hört man doch immer wieder von Thermen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten, so etwa in Val D’Illiez im Unterwallis.

Ja, das Fortyseven können wir rentabel betreiben. Klar ist: Der Personalaufwand macht einen grossen Teil der Kosten aus. Wir haben darum genau geprüft, in welchen Bereichen wir Arbeiten auslagern können. So übernimmt eine externe Firma die Reinigung. Und in der Hochsaison arbeiten wir mit Aushilfen. So müssen wir nicht während des ganzen Jahres den gleich grossen Personalbestand finanzieren. Grundsätzlich versuchen wir aber nicht zu sparen, damit die Gäste den Service erhalten, den sie erwarten. Geholfen hat uns in den letzten Monaten, dass die Stromkrise doch nicht so dramatisch war. Dass es gut läuft, freut mich vor allem für unser Team, das von Anfang an gute Arbeit geleistet hat.

Im Quartier gibt es weitere Thermalbadangebote. So in den Hotels, aber neuerdings auch im Bad zum Raben oder in den öffentlich zugänglichen «Heissen Brunnen». Spürt das «Fortyseven» diese Konkurrenz?

Das werde ich oft gefragt. Die Antwort lautet: Nein, auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis haben diese Bäder keinen Einfluss. Es handelt sich um komplett andere Angebote, vom Erlebnis und von der Dimension her. Ich habe aber Freude daran! Es ist doch toll, wird hier im Quartier die ganze Bäderkultur in all seinen Facetten sichtbar.

Am «Fortyseven» haben aber nicht alle Freude. Aus Ennetbaden, von der gegenüberliegenden Flussseite, ist eine Lärmklage eingegangen. Wie ist der Stand?

Die Klage ist noch offen bei der Stadt Baden. Wir mussten auch unser Konzept einreichen und aufzeigen, wie unser Sommerprogramm aussieht. Wir werden diesen Sommer keinen DJ mehr haben, der draussen Musik spielt. Nicht, weil er nicht gut gewesen wäre. Sondern weil es für diese Art von Musik keinen DJ braucht. Wir haben im Konzept dargelegt, wie wir sicherstellen können, dass wir die Bedingungen einhalten können. Das ist aus unserer Sicht relativ einfach: Ab 22 Uhr darf es keine Musik mehr geben, und die Dezibel-Zahl muss eingehalten werden.

Überrascht Sie die Kritik aus der Nachbarschaft?

Ja und nein. Wenn ich jahrelang hier gelebt hätte und dann plötzlich ein Bad eröffnet, kann das schon eine Veränderung bedeuten. Andererseits wusste man schon seit einem Jahrzehnt, dass das Bad gebaut wird.

Kritik gibt es nicht nur wegen Lärm, sondern auch wegen Lichtverschmutzung durch das «Fortyseven».

Ein schwieriges Thema. Aber wir können das Licht nachts nicht abstellen, wegen der Reinigung. Wir brauchen dafür eine höhere Intensität an Licht als während des Badebetriebs, damit sauber gearbeitet werden kann. Jede Nacht wird ungefähr von 23 bis 5.30 Uhr morgens gereinigt. Der Aufwand ist sehr gross: Allein das Putzen der 27 Toiletten braucht viel Zeit, geschweige denn die Flächen im Bad selber. Wir prüfen, ob wir punkto Licht den Wintergarten oder die Limmatsauna vom System entkoppeln und nachts teilweise abschalten können. Im Obergeschoss haben wir Jalousien, die wir runterlassen können. Es gibt aber auch Lichtquellen, für die wir nicht verantwortlich sind.

Zum Beispiel?

Entlang der Limmatpromenade. Dort ist die Stadt für die Beleuchtung verantwortlich, die ich nicht als zwingend erachte. Wir haben dies der Stadt Baden mitgeteilt.

Ein Thema sind die vielen Insekten im Sommer, wegen der Nähe zur Limmat. Die Scheiben des Bads sind oft dreckig. Stört Sie das?

Wir haben tatsächlich sehr viele Insekten hier im Quartier. Eine zusätzliche Herausforderung ist, dass unsere Therme ein naturbelassenes Dach hat. Es gibt keine andere Lösung, als häufig zu putzen.

Wir sitzen im Restaurant des «Fortyseven». Die Preise sind erhöht worden, richtig?

Ja, wir haben per 4. April zum Teil dort aufgeschlagen, wo die Lieferanten die Preise erhöht haben. Sonst wären wir auf den Kosten sitzen geblieben.

Wie läuft die Gastronomie?

Wir sind seit Februar auf Lunchgate dabei, um zu zeigen, dass wir ein öffentliches Restaurant sind. Man kann auch bei uns essen, ohne die Therme nutzen zu müssen. Wir haben sehr viele Tischreservationen von externen Gästen, was mich freut und überrascht.

Was hat Sie in den rund eineinhalb Jahren seit der Eröffnung sonst noch überrascht?

Dass es viele Familien gibt, die uns besuchen. Wir sind natürlich kein klassisches Familienbad wie etwa Zurzach, es gibt keine Rutschen, und beispielsweise mit Bällen darf man nicht spielen. Und doch gibt es viele Kinder, die sich wohlfühlen bei uns. Ab einem Alter von drei Jahren darf man zu uns kommen. Vielen Kindern gefällt es bei uns, vielleicht nur schon, weil das Wasser blubbert, wegen der Geräusche oder wegen des Bewegungsbeckens draussen. Die Familien, die zu uns kommen, sind sehr angenehm.

Der Artikel von Pirmin Kramer

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