4 Fragen an Claudia Roth – Lead Buyer Outsourcing

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Schon früh wusste ich, dass ich einmal im Ausland arbeiten möchte. Als Reisebegeisterte aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Kanton Bern, hat mich das Fernweh schon früh gepackt und irgendwie war auch klar, dass im Ausland leben etwas ganz anderes ist als «nur» zu reisen.

Vorerst absolvierte ich ein Studium in Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft, das ich schlussendlich abbrach weil ich schlichtweg nicht sehen konnte wohin damit. Ich war wohl keine Musterstudentin… Während des Jahres Unterbruch bin ich dann über einen Temporärjob bei der Swisscom gelandet, aus 3 Monaten wurden 3 Jahre und ich habe geholfen, das Sales Office der neu privatisierten Swisscom IT aufzubauen.

Dabei habe ich den Zugang zur IT gefunden und nach einem Jahr auch wieder (Teilzeit) ein Studium aufgenommen, diesmal in Betriebswirtschaftslehre. Während dieser 3 Jahre konnte ich erste Auslanderfahrung sammeln mit einem Praktikum in Boston und meiner Diplomarbeit, die ich auf den Kapverden geschrieben habe, bei einem lokalen Spital.

Nach der sehr spannenden Zeit bei Swisscom und dem Studienabschluss bin ich bei Novartis in Basel gelandet. Vom IT-Verkauf bei Swisscom habe ich in den IT-Einkauf gewechselt, also einen Perspektivwechsel erlebt. Zum ersten Mal war ich in leitender Funktion am Verhandlungstisch, nervenaufreibend, aber spannend! Dann kam eine Reorganisation und ich verlor meine Stelle.

Ein Schock, den ich verdaute indem ich Ostern alleine mit dem Zug nach Lissabon fuhr. Beim Reisen kam dann die Gewissheit, dass ich nicht einfach weitermachen wollte wie bisher und nicht gleich die nächste Stelle suchen wollte. Sondern dass ich eine Weile ins Ausland gehen würde. So 6 Monate waren angedacht.

Also vermietete ich meine Wohnung in Basel unter und flog nach Japan. Zuerst Sprachschule in Fukuoka, 6 Wochen intensiv Japanisch lernen und danach reisen in Japan und schlussendlich nach Tokyo um weiter Japanisch zu lernen. Nach ungefähr 4 Wochen unglaublich toller Erfahrung war klar – ich gehe nicht wieder in die Schweiz zurück und rief gleich meinen Untermieter an um Wohnung und Möbel loszuwerden. Was danach folgen sollte war noch nicht klar, aber dass das Geld irgendwann ausgeht schon…

Ich habe mich dann intensiv bemüht in Japan eine Stelle zu finden. Nach insgesamt 19 Monaten im Land musste ich den Traum aufgeben, habe dann aber in Singapur die nächste Stelle gefunden. Wieder im IT-Einkauf, diesmal bei einer britischen Bank, Barclays. Ich würde hier 5 Jahre bleiben und nicht nur IT einkaufen, sondern auch Bauprojekte in Indien oder globale Mediendienstleistungen. Ich habe während der Zeit bei Barclays wirklich unglaublich viel beruflich erleben dürfen. Und natürlich auch privat meine Zeit in Singapur genossen, mit vielen Reisen in Asien, der Adoption meiner Katze, tiefen Freundschaften und mehr.

2014 war die Zeit gekommen wieder nach Europa zurückzukehren. Ich war ziemlich offen, wo in Europa und habe mich für Stellen in verschiedenen Ländern beworben. Schlussendlich landete ich bei Coca-Cola in London wo ich die Stelle als Senior Strategic Procurement Manager für Marketingagenturen innehatte. Marketing einzukaufen für die wohl grösste Marketingorganisation der Welt war natürlich spannend! Ich war für den Job auch viel unterwegs in ganz Europa.

Daneben besuchte ich aber immer auch Startup Events in London und hatte plötzlich Lust, etwas Eigenes zu gründen. So gründete ich mein kleines Beratungsunternehmen Unblandeur Ltd. und lernte auf die manchmal harte Tour, was es heisst, ein eigenes Unternehmen zu führen, Kunden zu finden und glücklich zu machen, die eigene Website zu bauen, nicht mit dem Finanzamt in Clinch zu kommen und so weiter. Ich fand zwischendurch aber auch Zeit, 2 Monate auf einem Grossegler als Segellehrling in die Antarktis und über den Atlantik mitzusegeln.

Schlussendlich kam ich dann nach gut 10 Jahren im Ausland wieder in die Schweiz zurück. Ich hatte leider mit einigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und war deshalb froh, wieder in der alten Heimat zu sein. Aber das Wiedereinfinden war nicht ganz einfach. Nach 10 Jahren hat sich vieles verändert, notabene auch Beziehungen. Und ich fühlte mich ziemlich fremd im eigenen Land. Und beruflich lief auch nicht alles rund, inklusive einem Stellenverlust während der Corona Zeit. Trotzdem konnte ich noch eine Weiterbildung im Bereich Digital Leadership absolvieren, habe dabei neue Bekanntschaften geknüpft und das Silicon Valley besucht.

Inzwischen bin ich wieder angekommen und gesund. Ich bin nun seit Neuem bei der Helvetia tätig und als Lead Buyer Outsourcing verantwortlich für alle Outsourcing Tätigkeiten innerhalb der Helvetia Gruppe. Also Funktionen die aus der Firma ausgelagert sind, mit einem Schwerpunkt wieder bei der IT. Man kann sagen, dass der ursprüngliche Temporärjob mich langfristig zur IT gebracht hat… Als ich zu Swisscom kam, war ich gar nicht begeistert von dem Thema. «Learning by doing», oder eher «liking by doing»…

Pläne habe ich noch viele. Unter anderem möchte ich gerne in einem Verwaltungsrat oder Stiftungsrat mitwirken, am liebsten in einem Startup. Eine erste Bewerbung ist seit heute draussen… Ich werde sicher auch weiterhin dem Reisen frönen und freue mich darauf, was mich beruflich noch so erwartet. Ich bin insgesamt sehr dankbar für alles was ich erleben durfte! Aber es ist auch das, was man macht und die Risiken die man bereit ist einzugehen. Hoffentlich inspiriert der Text jemanden, auch die ausgetretenen Pfade und die Schweizer Sicherheit mal etwas zu verlassen!


SWONET: Was fasziniert und begeistert Dich an Deiner Arbeit?

Claudia Roth: Ich liebe das Verhandeln und den Umgang mit sehr vielen internen und externen Parteien. Man lernt wirklich, mit sehr unterschiedlichen Menschen zu arbeiten. Verhandlungen sind eine immer wieder andere Situation auf die man sich vorbereiten kann, wo es aber auch immer wieder Überraschungen gibt. Flexibilität und schnelles Denken, «think on your feet» wie man im Englischen sagt, sind entscheidend.

 

SWONET: Wie betrachtest Du Karriere, früher und heute?

Claudia Roth: Karriere habe ich früher noch eher linear betrachtet. Nun weiss ich, wie viele Abzweigungen es gibt und wie oft das Leben und der Zufall mitspielen welchen Weg man geht.

 

SWONET: Was ist Dein Rat für Berufseinsteigerinnen oder Gründerinnen?

Claudia Roth: Sich nicht zu viele Gedanken darüber machen was in 10 Jahren sein wird, eine Laufbahn oder die Perspektiven eines Unternehmens lassen sich schwer voraussagen. Und den Mut haben auch mal auszuscheren…

 

SWONET: Wie startest Du in den Tag?

Claudia Roth: Bei mir muss es am morgen schnell gehen, ab ins Bad und einen Kaffee, dann los.

 

 

 

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